Dienstag, 8. Januar 2013

Interview mit Malte S. Sembten (2012)

Das Interview ist dem ebook Zwielicht Classic 3 entnommen.


Michael Schmidt: Hallo Malte. Stell dich den Lesern von Zwielicht Classic doch mal kurz vor. Wer steckt hinter dem Autor Malte S. Sembten?

Malte S. Sembten: Nicht die Freimaurer. Nicht Scientology. Nicht der Mossad. Sondern nur ein Mann mittleren Alters, der seit 1990 mal mehr, mal weniger fleißig Kurzgeschichten, Erzählungen und Novellen der Genres SF und – vor allem – dunkle Phantastik veröffentlicht.


Michael Schmidt: Dein Kurzgeschichtenband Dhormenghruul ist 2012 bei Eloy Edictions als Limited Edition erschienen. Wie kam es zu dem Buch?

Malte S. Sembten: Walter Diociaiuti, der Eloy-Verleger, hat mich um 2006 herum zum ersten Mal gefragt, ob ich eine Storykollektion bei ihm machen möchte. Das empfand ich als sehr ehrenvoll für mich, aber damals war gerade meine dritte Kollektion im Verlag Robert Richter in Vorbereitung und für einen Verlagswechsel sah ich keinen Grund. Dies änderte sich jedoch. Robert Richter druckt nur noch wenige Titel und hat auch seinen verlegerischen Schwerpunkt verlagert. Sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger zu meiner jüngsten Kollektion in seinem Verlag waren Rock’n’Roll-Bücher, keine Phantastik. Als Walter mich einige Zeit später zum zweiten Mal fragte, willigte ich daher nach Absprache mit Robsie Richter gerne ein. So kam Dhormenghruul zustande. Besonders dankbar bin ich Walter auch dafür, dass er mich mit Björn Craig zusammen brachte, der die Umschlaggestaltung des Buches besorgte, die nicht nur bei mir selbst großen Anklang findet. Zudem verfertigte Björn äußerst gelungene Illustrationen für den Innenteil. Desto mehr ärgere ich mich im Nachhinein, dass sein Name nur im Impressum, aber nicht auf dem Titelblatt des Buches steht. Robert N. Bloch machte mich zu Recht darauf aufmerksam, dass dies den verlegerischen Gepflogenheiten entsprochen hätte. Und es wäre Björns Verdiensten angemessen gewesen. Aber weder ich selbst noch Walter noch der Layouter noch Björn haben das beachtet. Björn wäre, wie ich ihn kenne, ohnehin zu bescheiden gewesen, darauf hinzuweisen.

Michael Schmidt: Warum sollte der Leser ausgerechnet zu Dhormenghruul greifen?

Malte S. Sembten: Von mir aus sollte der Leser ebenso gern zu meinen übrigen noch erhältlichen Kollektionen greifen – zu Variationen in Nachgrau und Fleischrot, zu Die ein böses Ende finden oder zu Morbus Sembten. Falls er (oder sie) Kurzgeschichten und Novellen mag sowie meine Art zu erzählen.
Michael Schmidt: Jeder Autor hat so seine Lieblinge. Gibt es eine Geschichte in dem Buch, die dir besonders am Herzen liegt?

Malte S. Sembten: Ja: die Titelstory. Wegen ihrer besonderen Entstehungs- und Veröffentlichungsgeschichte und weil sie eine – ironische, aber liebevolle – Hommage an das Horrorfandom darstellt. Außerdem habe ich sehr viel Sorgfalt auf die Details verwandt, etwa auf die polyglotte Ausdrucksweise von Brown Jenkin. Bei Lesern und Rezensenten kommt aber bisher „Brandopfer“ am besten an, eine Geschichte aus dem Leipzig der Nazi-Ära und der DDR-Zeit.
Michael Schmidt: Im Verlag Lindenstruth erschien deine Novelle Second Hand Nightmares, eine überarbeite Neuveröffentlichung eines Medusenblutheftes. Worum geht es darin und wieso die Überarbeitung?

Malte S. Sembten: Ein alter Mann kauft eine Matratze, die mit den Haaren von Opfern der deutschen Judenvernichtung gefüllt sind, und schläft darauf. Seine Träume führen ihn in die Zeit zurück, als er SS-Arzt in einem Nazi-Vernichtungslager war. Anfangs genießt er diese Erinnerungen. Diese jedoch beginnen sich mit den Erlebnissen eines seiner Opfer zu vermischen, Realität mischt sich mit Traum, Vergangenheit mit Gegenwart, und er erleidet auf der Matratze die gleichen Qualen, die Jahrzehnte früher das Opfer durchgemacht hat. Das ist ein Thema, an dem ein Autor sich ordentlich verheben kann. Zunächst muss man bedenken, dass kaum eine geschichtliche Epoche so genau erforscht ist wie der 2. Weltkrieg und die Nazi-Zeit. Die Tatsache, dass wir in der Schule, über das Fernsehen, über das Internet, über die moderne Literatur etc. ständig mit diesem Thema bearbeitet wurden und weiterhin werden, scheint bei einigen Jungautoren den Eindruck zu erwecken, das Nazi-Thema genügend „im Blut“ zu haben, um aus dem Stehgreif eine Nazi-Geschichte daher fabulieren zu können. Nichts könnte falscher sein. Und jeder sachliche Fehler, der einem dann unterläuft, zählt fünfmal so viel wie ein Fehler in einem Roman über die viktorianische Ära oder das Mittelalter. Aber nicht nur hinsichtlich der Faktentreue, fast noch mehr in Bezug auf eine „sensible“ Behandlung legt das Thema unzählige Fallstricke aus. Ich als „Horrorautor“ muss mir darüber im Klaren sein, dass das übliche Beiwerk des Genres in einer solchen Geschichte nichts zu suchen hat. Kein Vampir, Werwolf, Zombie oder sonstiger ausgedachter Schrecken kann das reale Grauen in den Vernichtungslagern auch nur annähernd erreichen, geschweige denn übertreffen. Noch abgeschmackter wäre es, die realen Gräuel der Vernichtungslager genüsslich auszubreiten. So war auch von Beginn an klar, dass ich diese Novelle nicht im Umfeld meiner „üblichen“ Horror-Erzählungen veröffentlichen und zusammen mit ihnen in eine Storysammlung packen kann. In Frage kam nur eine Einzelveröffentlichung. Dennoch färbte mein Image als „Horrorautor“ wie von mir befürchtet auf die Rezeption der Novelle ab. Ein Rezensent schränkte sein Lob für die handwerkliche Ausführung mit dem Kritikpunkt ein, es habe „etwas Geschmäcklerisches“, die Judenvernichtung für wohligen Grusel zu missbrauchen (was unbedingt stimmt, ja noch zurückhaltend ausgedrückt ist; aber dieser Kritiker hat sich von meinem Ruf als Horror-Schreiber fehlleiten lassen). Ein Leser beklagte, die Geschichte sei ihm nicht schaurig genug (gleiches Missverständnis). Aber es gab auch Stimmen, die meine Novelle so verstanden, wie von mir beabsichtigt.

Die Neuveröffentlichung erfolgte auf Anregung von Gerhard Lindenstruth. Die Erstausgabe und die Neuausgabe bilden einen interessanten Gegensatz: hier das eher billig hergestellte Heft mit pulpigem Papier und bunt-abstraktem Umschlag – dort die auf teures Papier gedruckte, von Land in Leinen gebundene, mit einer Einband-Prägung und einem passend, aber dezent illustrierten Schutzumschlag versehene Sammleredition. Die Überarbeitung erfolgte, weil ich zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung trotz der ursprünglichen ausgiebigen Recherchen Fehler entdeckt hatte. Außerdem hatte ich sinnvolle Verbesserungsvorschläge bekommen, etwa den, der jungen Frau, der einzigen sympathischen Figur des Jetztzeit-Handlungsstrangs, mehr Raum in der Geschichte zu gewähren. Auch der Schluss ist neu geschrieben. Insgesamt ist die Lindenstruth-Ausgabe über 2000 Wörter länger als die Medusenblut-Ausgabe.

Michael Schmidt: Viele kennen die Medusenblutreihe nicht. Stell uns die doch mal bitte kurz vor!

Malte S. Sembten: Der Medusenblut-Verlag wird von dem Autor Boris Koch betrieben und zählt zu den besten deutschsprachigen Kleinverlagen des Genres. Ich selbst habe aber, genau genommen, noch kein Buch dort veröffentlicht. Die erste Ausgabe der Second Hand Nightmares stammt ja aus der Anfangszeit des Verlags, als dort noch keine Broschuren, sondern DIN-A-5-Hefte erschienen. Die Verlagsproduktion läuft gedrosselt, seit Boris vom Schreiben lebt und dem Verlag nicht mehr so viel Zeit widmen kann. Aber noch immer erscheinen bei Medusenblut interessante Bücher und neuerdings auch E-Books. Ich beziehe sämtliche Titel des Verlags im Abo. Wer mehr wissen will, sollte einen Blick auf die Verlagshomepage werfen: http://www.medusenblut.de.

Michael Schmidt: Hast du eine Geschichte, die du besonders gelungen fandest und wenn ja, welche?

Malte S. Sembten: Diese Einschätzung wechselt. Mir geht’s da wie vielen Musikern, die in Interviews immer ihr gerade aktuelles Album für ihr bestes halten. Das habe ich lange als eine rein kommerzielle Behauptung abgetan. Bis ich Storysammlungen veröffentlichte. Seither geht’s mir ähnlich mit meinen Kollektionen und den darin enthaltenen Geschichten. Wohl auch deshalb, weil die Erinnerung an ältere Werke mit den Jahren verblasst. Das ehrgeizigste meiner bisherigen Werke, an dem auch mein Herz sehr hängt, sind die oben erwähnten Second Hand Nightmares. Die objektiv erfolgreichste meiner bisher erschienenen Storys ist fraglos „Blind Date“. Da sie (unter anderem) in einer Heyne-Anthologie erschien, stellt sie meine erste professionell honorierte Veröffentlichung dar. 1998 erhielt sie den Kurd Lasswitz Preis als beste SF-Geschichte des Vorjahres, obwohl es sich eher um eine Horror-Story handelt. Sie wurde in zwei Sprachen übersetzt und erlebte zahlreiche Neuveröffentlichungen, jüngst in Zwielicht Classics 1.

Michael Schmidt: Außer „Blind Date“ aus dem Jahr 1997 ist auch deine Erzählung „H“ von 1993 in der Zwielicht Classic-Reihe erschienen. Warum hast du gerade diese beiden Geschichten ausgewählt?

Malte S. Sembten: Zum einen wollte ich ältere Storys bereitstellen, weil das meiner Meinung nach für eine ›Klassiker‹-Reihe besser passt. Zum anderen solche, die ich in jüngster Zeit für eine geplante Neuveröffentlichung bereits überarbeitet (d. h. effizient gekürzt) hatte. Außerdem mag ich diese beiden Geschichten sehr gern – und „Blind Date“ ist, wie bereits erläutert, tatsächlich eine Art persönlicher Klassiker von mir.

Michael Schmidt: Du bist Mitglied bei den Lesehappen, einem Internet-Autorenkollektiv. Was hat es damit auf sich?

Malte S. Sembten: Die Lesehappen wurden 2011 gegründet. Den Kern bilden Autoren aus dem Mitarbeiterstab des Berliner Phantastik-Buchladens Otherworld und der Berliner Lesebühne Stirnhirnhinterzimmer. Namen wie Boris Koch, Markolf Hoffmann und Christian von Aster dürften vielen ein Begriff sein. Doch als „Seele“ des Projekts würde ich die Leipziger Autorin Kathleen Weise bezeichnen. Diese und andere Lesehappen-Mitglieder haben gemeinsam, dass sie Romane in großen Verlagen veröffentlichen und nicht nur, aber auch mit Jugendbüchern erfolgreich sind. Beides trifft für mich nicht zu. Insofern bin ich als Mittelhesse nicht nur geografisch eine Art Außenseiter im Team. Ich mag aber meine Lesehappen-Mitstreiter sehr gern und die Sache macht mir Spaß.

Michael Schmidt: Ein Blick in die Zukunft. Etwas kündigt sich für 2013 an. Kannst du uns schon verraten, worauf sich der Leser freuen kann?

Malte S. Sembten: Vertragsfest sind bislang zwei Sachen: Erstens eine Novelle für den Atlantis Verlag, an der ich gerade arbeite. Begonnen hatte ich das Werk schon vor vier Jahren. Doch nach etwa ¾ des Gesamtumfangs blieb ich stecken und musste die Geschichte wegen anderer Verpflichtungen beiseitelegen. Diesen „toten Punkt“ zu überwinden, fällt mir auch jetzt schwer, zumal ich nicht mehr im Thema „drin bin“ und viele Dinge zum zweiten Mal nachlesen und recherchieren muss. Aber ich weiß, dass das Geschaffene, wenn es erst einmal fertig ist, mir sehr am Herzen liegen wird, weswegen ich diesmal zäh bleibe. Die Illustrationen zur Atlantis-Veröffentlichung wird Timo Kümmel beisteuern, was mich außerordentlich freut. Das zweite Projekt ist eine Best-of-Sammlung meiner Geschichten im Golkonda-Verlag, herausgegeben von Hardy Kettlitz. Kein Geringerer als Fabian Fröhlich ließ sich für die Bebilderung aller 14 Storys gewinnen. Diese Illustrationen sind fast fertig und so gut, dass sich immer mehr die Frage stellt: wird das Buch eine Storysammlung mit begleitender Bebilderung – oder ein Bildband mit begleitenden Storys? Hier der Beweis: http://www.blindbild.de/category/buch-innen.

Michael Schmidt: Die meisten deiner Werke sind eher kürzeren Charakters. Im Buchhandel dominieren dagegen richtige Wälzer. Wie stehst du zur kurzen Form und wann kommt ein längerer Roman?


Malte S. Sembten: Es gibt Autoren, die schreiben nur Kurzgeschichten. Und es gibt solche, die schreiben nur Romane. Viele schreiben beides. Aber höhere Auflagen erzielen und Geld verdienen kann man nur mit Romanen. Bisher habe ich Kurzgeschichten und Werke von Novellenlänge verfasst. Meine umfangreichste Hervorbringung war der unter Pseudonym abgedruckte Coco Zamis-Roman Die Lauernde Bibliothek für Zaubermond, der Heftromanlänge besitzt. Viele Leute vom Fach halten die Kurzgeschichte für die ideale Ausdrucksform im phantastischen Genre. Leider ist das Kurzgeschichtenschreiben heutzutage eine Nischenkunst. Ob ich noch von einem Kurzgeschichtenautor zu einem „Beides“-Autor werde, kann ich nicht versprechen.

Michael Schmidt: Du bist lange in der Horrorszene aktiv. Was war früher besser?

Malte S. Sembten: Gar nichts. Sofern man nicht nostalgisch zurück blickt, was ich natürlich tue. Mir persönlich fehlen ein wenig die Szenetreffen der 1980er und frühen 90er Jahre, doch diese Szene existiert nicht mehr. Viele Fans kehren ihrem Phantastik-Hobby den Rücken, wenn Frau und Kinder und das Berufsleben kommen. Aber ich habe viele lang vermisste Leute wie Fabian Fröhlich, Franco Basta, Gus Backus oder Carsten Scheibe aus jener Zeit bei Facebook wieder getroffen. Einige sind noch fannisch aktiv, einige andere wurden es in den letzten Jahren wieder. Auch trauere ich den im Schnippel-Papp-Verfahren verfertigten, am Fotokopierer vervielfältigten Fanzines nach. Wenn die im Briefkasten lagen, war das immer ein bisschen wie Weihnachten. Das Fandom, in dem ich als Fan sozialisiert wurde, vermittelte in seinen besten Momenten einen „Sense of Wonder“, der mit der Beschleunigung und Vereinfachung durch das Internet verloren ging. Fans der ersten Generation, die das Fandom der 60er und 70er Jahre mit geprägt haben, müssen das noch stärker empfinden als ich. Außerdem werden viele Mitglieder der früheren, sehr aktiven Heftroman-Fanszene das Aussterben des Heftromans als Verlust empfinden.

Allerdings hat Lutz Buchholz vor kurzem das gedruckte FANtastic Artzine ins Leben gerufen, das zumindest die grafische Seite der Fanzines nostalgisch wieder aufleben lässt: http://www.fantasticartzine.de.

Michael Schmidt: Und was ist heute besser?

Malte S. Sembten: Fast alles. Jedenfalls dann, wenn man Perfektionierung und Professionalisierung als Verbesserung ansieht. Erst das Desktop-Publishing, dann das Internet und aktuell das Self-Publishing via E-Book haben Amateuren und Profis einen immensen Schub verschafft. Statt in amateurhaft wirkenden Fanzines können heute auch Nachwuchsautoren in Buch-Anthologien debütieren, die den Erzeugnissen der großen Verlage zumindest äußerlich nicht nachstehen. Unbekannte Autoren erreichen mit einem selbst verlegten E-Book über Nacht Bestseller-Status. Heute gibt es professionelle oder semi-professionelle Klein- und Kleinst-Verlage in einer Vielzahl, die früher unvorstellbar war. Und die Riege der Fan-Autoren, die von diesen Verlagen gedruckt werden, überblicke ich schon gar nicht mehr. Dennoch weist diese neue Autorenschar ein deutlich höheres Durchschnitts-Niveau auf als der kleine Kreis der früheren Fanzine-Schreiber. Ein weiterer beträchtlicher Fortschritt besteht darin, dass sich große Verlage seit etwa zehn Jahren in einer Weise für deutsche Genre-Autoren öffnen, von der wir früher nur träumen konnten. Zugleich ist das Tempo der Entwicklung auch ein wenig beängstigend. Besonders der Siegeszug des E-Books und die Filesharing-/Anti-Urheberrechts-Bewegung lassen seriöse Prognosen für den Stand der Dinge in weiteren zehn, fünfzehn Jahren kaum zu.

Michael Schmidt: Welche Autoren, auch und gerade deutschsprachige, würdest du dem Leser ans Herz legen?

Malte S. Sembten: Nee, in diese Falle tappe ich jetzt nicht. Wie schon angedeutet, wäre eine solche Liste lesenswerter Autorinnen und Autoren recht lang, dabei kenne ich längst nicht alle. Und mit einer „Short List“ liefe ich Gefahr, Kollegen zu vergrämen, die sich übergangen fühlen. Daher möchte ich nur zwei Autoren nennen. … Zunächst einen, der eigentlich keiner Empfehlung mehr bedarf, nämlich Michael Siefener. Seinen jüngst im Atlantis Verlag erschienenen Roman, der allerdings zehn Jahre auf seine Veröffentlichung warten musste, kenne ich noch nicht. Aber Siefeners allererster Roman überhaupt, der sogar über zwanzig Jahre lang brauchte, bis er 2011 von Gerhard Lindenstruth in schön illustrierten Paperback- und Hardcover Ausgaben verlegt wurde, gehört für mich zum Eigenständigsten und Besten (und Düstersten), was die deutschsprachige Nachkriegsphantastik zu bieten hat. Ich meine den Siefener-Roman Die Entdeckung der Nachtseite. Leider hat dieses Werk bisher noch nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die ihm meines Erachtens zukommt. Daher möchte ich es allen Genre-Freunden an dieser Stelle wärmstens ans Herz tackern. … Der zweite Autor ist Ralph Doege. Er ist das perfekte Beispiel für „Klasse statt Masse“. Ralph ist in einigen Anthologien vertreten und hat vor zwei Jahren eine vorzügliche Debüt-Kollektion veröffentlicht, Das Ende der Nacht, erschienen als Hardcover bei Deltus Media. Weil er so wenig schreibt, kennen ihn nur relativ Wenige. Es ist höchste Zeit, dass sich das ändert!

Michael Schmidt: Na, das passt ja sehr gut, dass in dieser Zwielicht Classic Ausgabe eben dieser Ralph Doege mit einer Geschichte aus Das Ende der Nacht vertreten ist. Was fehlt der deutschen Horrorszene?

Malte S. Sembten: Ein dotierter Literaturpreis. Die deutschsprachige „Horrorszene“ hat den traditionsreichen Marburg Award und den begehrten Vincent Preis, der für die Horrorfreunde in etwa das ist, was der Kurd Lasswitz Preis für die Science Fiction-Gemeinde darstellt. Aber was uns noch fehlt, ist ein nennenswert dotierter Literatur-Preis, wie ihn die SF-Szene im Deutschen Science-Fiction Preis besitzt.

Michael Schmidt: Du bist nicht nur Autor, sondern auch Illustrator. Erzähl mal!


Malte S. Sembten: Passender wäre: Zeichne mal! … Das habe ich in den 1980ern und 90ern recht fleißig getan, dann viele Jahre lang ausgesetzt und 2009 mit dem Frontispiz zur Vorzugsausgabe meiner Novelle Second Hand Nightmares in bescheidenem Umfang wieder aufgenommen. Auch für Dhormenghruul habe ich ein Frontispiz geschaffen. Wer diese und andere Beispiele sehen will, wird auf meiner Homepage (s. unten) fündig.

Michael Schmidt: Letzte Frage. Ein Wunsch für die Zukunft?



Malte S. Sembten: Ganz privat: Gesundheit und Schaffensfreude.



Webadressen:








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